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REISEBERICHTE
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Einsatzbericht April / Mai 2017


Einsatzbericht


Asmara April / Mai 2017

Teilnehmer:

Seibert Karl-Heinrich (Charly) - Techniker, Metallbauer

Piroth Werner - Techniker, Allrounder

Kluger Gotthard - Techniker, Allrounder

Haines Manfred - Techniker, Allrounder

Kessel Dominik - Spezialist für Kunstharzböden

Paneff Peter - Spezialist für Kunstharzböden

Otter Barbara - OP-Schwester

Dr. Markmiller Ulrich - HNO-Arzt

Berisha Violeta - technische Assistentin

Zweck der Reise: weitmögliche Fertigstellung des OP-Zentrums der neuen HNO-Klinik

Es ist wieder soweit. Nach intensiver Vorbereitung sind Charly Seibert, Manfred Haines, Werner Piroth und Gotthard Kluger am Samstag 22.04. mit Egyptair nach Asmara gestartet. Sie sollen in den nächsten Tagen alle Innentüren im neuen OP-Zentrum einbauen.

Wenn am Freitag 28.04. der 2. Teil der Truppe ankommt muß das erledigt und zudem auch noch alle Räume gekehrt und gesaugt sein, damit Peter und Dominik den Kunstharz-Boden aufbringen können, der bis auf Sockelhöhe an den Wänden hochgezogen wird.

Unser Flug, ebenfalls mit Egyptair, ist ruhig, der lange Stop in Kairo geht auch vorbei. Bei der Ankunft In Asmara um 04:00 morgens dauert wieder mal die Paßkontrolle ewig, dafür ist das Gepäck schon da und Adem wartet bereits an der Ausgabe.

Orotta Hospital-Aufkleber an den Koffern und mündliche Hinweise ersparen uns die Gepäckkontrolle beim Zoll. Um 05:30 Uhr, nach Begrüßung und Check in im Embasoira, unserem vertrauten Hotel und einem von Charly organisierten kalten Bier sinken wir ins Bett. 09:30 - mitten in der Nacht - ist Frühstück angesagt und um 10:00 Uhr holt Bereket uns ab um uns zur Klinik zu bringen.

In der Ambulanz, wo sich wie immer um diese Zeit, Patienten und Angehörige drängen, begrüßen uns Alem, Simon und das ganze Team so warm und herzlich wie es bei guten alten Freunden üblich ist. Es bleibt sogar Zeit für ein Glas köstlichen Tee, auf den wir uns schon gefreut haben. Alle fragen nach Eberhard und freuen sich über seine herzlichen Grüße und daß wir Positives über seine Genesung berichten können. Später kommt auch Dr. Habteab hinzu, der Direktor des Orotta-Hospitals.

Als erstes fragt er nach dem Termin der feierlichen Einweihung der Klinik. Wir legen uns schließlich auf die erste Woche im Dezember 2017 fest. Dann inspizieren wir die Baustelle und begrüßen unsere „Vorarbeiter“.

Charly, Manfred, Gotthard und Werner haben tatsächlich in 4 Tagen mit gewohnter Präzision alle Innentüren und die OP-Schiebetüren eingebaut. Die schweren Schiebetüren laufen mit unglaublicher Leichtigkeit und rasten in der Endposition mit leisem Klicken ein.

Angesichts der mit ungleichmässig großen Granitsteinen gemauerten Wände war die Befestigung der schweren Laufschienen sicher nicht einfach und musste genau durchdacht sein. Bravo Charly besser kann man das nicht machen.


Es ist Freitag Mittag. Nach einem kleinen Lunch, zu dem auch Bereket und Adem hinzukommen mache ich mit Chefingenieur Nirayo einen Rundgang durch Op-Zentrum und Bettenhaus und inspiziere auch die Aussenanlagen. Resultat ist eine to do-Liste, die successive abzuarbeiten sein wird. Inzwischen sind alle „ausgeschwärmt“. Arbeit muß nicht gesucht werden.

Für die wichtigsten Operationen hatten wir vor einigen Jahren die jeweils benötigten Instrumente zusammengestellt, Fotos der damit bestückten Instrumenten-Tische gemacht und klar definierte und bezeichnete Container gepackt. Bärbel will mit Zody das OP-Instrumentarium sichten und ggf. reorganisieren.Hier besteht dringend Handlungsbedarf !


Peter und Dominik haben das mit dem letzten Container angekommene Material für den Boden und die Werkzeuge kontrolliert und Vorbereitungen getroffen um nach dem Wochenende starten zu können.

Allmählich wird es Abend und wir freuen uns auf eine Dusche, eine Pizza und die anschließende gemütliche Runde in der Lobby unseres Embasoira Hotels. Wie schon befürchtet gibt es aber im Hotel wieder mal kein warmes Wasser zum Duschen. Einige sehen es locker, duschen kalt und wollen künftig „unsere“ Dusche in der Klinik nutzen, wo es genügend Wasser und einen großen Boiler gibt. Das Problem mit dem Wasser kennen wir seit langem, aber es spitzt sich allmählich zu. Wegen des alten maroden Rohrsystems gibt es im Embasoira ein generelles Problem und es wird in den letzten Jahren spürbar größer. WLAN ist eine andere Baustelle, an der dringend etwas zu verbessern ist.

Dass sich das Frühstücksbuffet verändert hat und die Tische leerer sind als früher, wirkt nur im ersten Moment befremdlich. Man gewöhnt sich rasch daran. „two eggs with everything“ werden nicht mehr am Buffet zubereitet, sie kommen, wie auch die Brötchen oder Pancakes auf Bestellung aus der Küche. Das Embasoira ist ein staatliches Hotel, dennoch lieben wir seit Jahren sein Flair, die lockere und offene Atmosphäre in der Lobby und das immer freundliche und hilfsbereite Personal.

Immer öfter stellen wir uns aber auch die Frage, ob wir uns die beschriebenen Mängel, noch weiter zumuten, oder künftig ein anderes Hotel wählen sollen. Andere NGO`s haben die gleichen Erfahrungen gemacht und überlegen entsprechende Konsequenzen. Gespräche mit dem Hotel-Management haben bisher wenig Erfolg gebracht, so dass in Kürze Kontakte auf höherer Ebene geplant sind.

Peter, Violeta und Dominik sind zum ersten Mal in Eritrea und nehmen am Wochenende die Gelegenheit wahr, zu einer Fahrt ans rote Meer mit einer Übernachtung in Massawa, der vom Krieg zerstörten größten Hafenstadt des Landes. Die Fahrt von der Hochebene, auf der Asmara liegt, hinab über die 2400 m hohe Steilstufe in die wüstenhafte Landschaft der Lowlands am roten Meer, ist beeindruckend.



Massawa zu beschreiben fällt schwer. Man muß dort gewesen sein. Es gibt wenige restaurierte und einige wunderschöne neue Gebäude, jedoch dem Land fehlen die Mittel, um die Stadt wieder aufzubauen.Die erhaltenen Gebäude aber auch die Ruinen lassen einstige Schönheit erahnen.

In der Hitze des Tages scheinen die Ruinen verlassen. Die Stadt wirkt wie eine Geisterstadt, um in der Nacht zu erwachen, wenn die Menschen auf die kaum erleuchteten Straßen strömen.



Die Eindrücke von dieser Reise lassen einen nur schwer wieder los.

Die Daheimgebliebenen nutzen den Samstag um die Halterungen für die Decken-Mikroskope und OP-Leuchten zu montieren. Hierfür ist eine spezielle Konstruktion erforderlich, die zum Teil zu Hause gefertigt und im Reisegepäck mitgenommen wurde.


Danach wird sorgfältig gekehrt, der restliche Staub abgesaugt und das Gebäude verschlossen, damit am Montag Peter und Dominik mit dem Kunstharz-Boden starten können.

Sonntag ist Ruhetag. Charly, Gotthard, Werner und Manfred haben ihn besonders nötig.

Nach einem späten Frühstück gehen wir ins Stadtzentrum, wo wieder Radrennen stattfinden. Die Eritreer sind sehr Radsport-begeistert und es sind viele Zuschauer an der Strecke. Es finden mehrere Rennen statt, wobei ein Rundkurs für verschiedene Altersklassen entsprechend oft zu durchfahren ist. Das Ganze wird begleitet von traditioneller Musik aus Lautsprechern.


Im Café Roma gibt es einen hervorragenden Espresso Macchiato aus einer italienischen Kaffeemaschine, die noch aus der Kolonialzeit stammt.


Montag 07:00 - Peter und Dominik fangen schon früh mit der Grundierung des Bodens an. In den folgenden Tagen tragen sie schichtweise das Kunstharz auf. Es ist harte Arbeit, die vorwiegend auf den Knien geleistet werden muß. Nach jedem Arbeitsgang wird das Gebäude verschlossen, da die die Fläche für 24 Stunden nicht betreten werden darf.

Für alle anderen gibt es im Aussenbereich noch viel zu tun.

Werner, Gotthard und Manfred sind dabei auf unser Container-Lager ein Dach mit der richtigen Neigung zu bauen, gegen den zwar seltenen aber manchmal heftigen Regen und vor allem gegen die Exkremente der Vögel und Fledermäuse, die in den großen Palmen wohnen. Insbesondere das zwischen den beiden Containern gelegene Lager für Langmaterial muß vor der Verschmutzung von oben geschützt werden.


Alle Fenster des OP-Zentrums bekommen Fliegengitter, die vor Ort ausgemessen, zusammengebaut ,genau eingepaßt und zum Mauerwerk hin mit Acryl abgedichtet werden.

Endlich kann auch der schon lange bereitliegende Sonnenschutz montiert werden.


Natürlich kommt in der Mittagspause und abends nach der Arbeit, die gesellige und kulinarische Seite nicht zu kurz. Zwar werden wir jeden Tag in der Ambulanz mit Tee versorgt, zum Lunch zu Reis und Pasta und zur traditionellen Kaffee-Zeremonie eingeladen.


Dennoch freuen wir uns gelegentlich auf unterfränkische Küche. Charly hat wieder hausmacher Wurst und Schinken, Fleischspieße und Gulaschsuppe organisiert und auf wundersamen Wegen nach Asmara transportiert. hat. Unser Kühlschrank ist, wie man sieht, gut gefüllt.


Beim Klönen vor dem Duschen gibt es auch schon ein Bierchen. Nirayo, Adem, Haile und Bereket leisten uns gerne Gesellschaft und sind herzlich eingeladen. Sie lieben unsere unterfränkische Küche ebenfalls und dürfen gerne zum Abendessen auch ihre Familie mitbringen.

Wie schon beim letzten Einsatz kommt auch diesmal die operative Tätigkeit zu kurz, da ich in dieser heissen Phase vorwiegend mit dem Bau und nebenbei mit organisatorischen Fragen vollauf beschäftigt bin. Bärbel als gelernte OP-Schwester wäre auch lieber am OP-Tisch aktiv, anstatt „Trockenübungen“ beim Sichten und Re-Organisieren des Instrumentariums zu machen.

Zu unserer Freude ist Hartmut Lobeck, begleitet von seiner Frau, zur Zeit ebenfalls in Asmara. Wir kennen uns von früheren gemeinsamen Einsätzen und hatten uns schon einige Tage zuvor im Hotel getroffen und herzlich begrüßt. Professor Lobeck hat vor einigen Jahren begonnen, im Orotta-Hospital eine funktionsfähige Pathologie aufzubauen und ist mit bewundernswertem Einsatz schon ein gutes Stück vorangekommen.

U.a. hat er zur Diagnostik von Tumoren und unklaren Lymphknoten-Vergrößerungen, als eine relativ einfach durchführbare Screening-Methode, die Zytologie nach Feinnadel-Aspiration eingeführt. Indem er alle Punktionen selbst durchführt und somit auch einen Bezug zwischen dem zytologischen Befund und dem klinischen Bild erhält, hat er einen hohen Qualitätsstandard erreicht.

Hartmut hatte vor einigen Tagen einen Patienten mit einem großen Tumor im linken Mittelgesicht gesehen und per Feinnadel-Cytologie ein Basalzell-Karzinom diagnostiziert. In der HNO ist der Patient zwar jetzt nicht aufgetaucht, jedoch stellt Dr. Alem in den Unterlagen fest, daß sie ihn bereits ein Jahr zuvor gesehen hatte und er rasch operiert werden sollte, was aus unbekannten Gründen jedoch nicht geschah. Inzwischen ist der Tumor schnell gewachsen und gefährdet das linke Auge.

Schließlich dürfen, ja müssen, wir doch noch chirurgisch aktiv werden. Der Patient erscheint schließlich in der HNO am Nachmittag vor unserer Abreise. Er hat kurz zuvor gegessen und geraucht und ist somit ad hoc nicht narkosefähig.

Der Entschluss, die Excision des Tumors in örtlicher Betäubung durchzuführen fällt rasch. Die Resektion erfolgt mit einem Sicherheitsabstand von ca. 5 mm. Im Bereich des Unterlides kann unter Zuhilfenahme des Mikroskops ein Abstand von 3 mm eingehalten werden ohne die Tränenwege zu tangieren.

Ein primärer plastischer Verschluss des Defektes verbietet sich aber, da in der zur Verfügung stehenden Zeit eine histologische Aufarbeitung des Resektates mit der Frage, ob der Tumor vollständig entfernt wurde, nicht mehr möglich ist.

Durch Mobilisieren der angrenzenden Haut und mehrere Situationsnähte kann die Wunde deutlich verkleinert werden. Sie wird mit einem „Hautersatz“ abgedeckt, so dass eine eventuell notwendige Nachresektion leicht vorgenommen werden könnte und die Nachbehandlung deutlich erleichtert wird.

Dr. Alem wird das Wundmanagement übernehmen, bis die plastische Deckung des Defektes erfolgen kann.

Inzwischen liegt das Ergebnis der histologischen Untersuchung vor : der Tumor wurde vollständig entfernt.

Wieder einmal heißt es Abschied nehmen von unseren längst zu Freunden gewordenen Partnern, Alem, Simon, dem ganzen Team in der Klinik und Dr. Habteab, Nirayo, Bereket, Haile und anderen Helfern.

Adem wird uns gegen 01:00 Uhr abholen und zum Flughafen bringen.

Jetzt aber ab unter die Dusche und zurück ins Hotel. Das Packen geht rasch, da alle reichlich Platz in den Koffern haben, nachdem die mitgebrachten Geschenke übergeben worden sind. Nach dem Abendessen im Hotel finden wir vielleicht noch einige Stunden Schlaf vor der anstrengenden Rückreise.

Alles in Allem sind jetzt wir mit dem Gesamtprojekt auf der Zielgeraden, so dass der Ins Auge gefasste Zeitpunkt der feierlichen Eröffnung der Klinik, Anfang Dezember, realistisch erscheint.

Bis dahin gibt es noch sehr viel zu organisieren, zu planen und die dafür nötigen Mittel aufzutreiben. Der nächste Container mit medizinischen Geräten und Einrichtungsgegenständen, die mit den vom Bundesministerium für Entwicklungshilfe genehmigten Mitteln angeschafft werden können, steht schon bereit zur Beladung.

Medcare for People in Eritrea e.V.

Vorsitzender:

Prof. Dr. med. Eberhard Stennert

Geibelstraße 29-31

D - 50931 Köln
Germany

Telefon: +49 221 47897002
Telefax: +49 221 47897010

Email: info@medcare-eritrea.org

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